Mit Allrad unterwegs

Nach der Ergebnispräsentation im Zwischenziel liegen die Karten offen auf dem Tisch. Die Favoriten finden sich auf den vorderen Plätzen, es gibt auch überraschende Ausfälle.
Auf Platz 3 überraschend stark das Team Allrad, nicht so weit entfernt vom Platz 2 nach Strafkilometern gerechnet und dicht gefolgt von den Teams dahinter auf den Plätzen bis 10. Sofort wird im Team analysiert und besprochen, was alles noch möglich sein kann. Den Platz 2 zu holen, dazu fehlen rund 38 Kilometer. Das ist nicht viel. Im 2. Korridor kann noch viel passieren. Es könnte regnen, der Korridor dadurch noch viel schwieriger werden. Zwar wird er das für alle Teilnehmer aber da sieht sich Team Allrad stark.
Aber auch nach hinten müssen sie aufpassen. Vielleicht geht es gar nicht darum den 2. Platz zu holen, vielleicht müssen sie froh sein, wenn sie den 3. Platz überhaupt halten können. Denn die Teams auf den Plätzen dahinter liegen dicht beisammen und nah am 3. Platz von Team Allrad dran. Diese 7 Teams von Platz 4 bis 10 haben nur 24 Strafkilometer mehr. Da kann sich durch einen Fehler, einen Defekt sowieso, noch sehr viel ändern.
Am Donnerstagvormittag erfolgte der Start in den 2. Korridor: Nach der Durchfahrt durch den Red-Bull-Bogen stellt sich das Team Allrad an den Straßenrand und zieht sich in das nahegelegene Restaurant zurück um dort das WLAN für die Streckenplanung zu nützen. Akribisch wird mit Google Earth und Maps, Bing und noch weiteren Karten Kilometer für Kilometer durch den Wald und die Berge geplant. Eine theoretische Planung und Strecke wie sich später herausstellen sollte.
Nach gut einer Stunde Planung erfolgt der Aufbruch. Wir hängen uns an das Team Allrad dran. Zielbewusst wird der 1. Waldweg angesteuert und kurz darauf führt ein schöner Weg sehr steil den Berg hoch. Allrad fährt den Weg alleine, vor und hinter uns kein weiteres Team zu sehen. Auch der Weg ist von niemandem vor uns befahren, keine Reifenspuren sind zu sehen. Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt sind wir fast am Bergkamm im dichteren Wald. Der Weg ist aus. Ein Fahrer und ein Navigator laufen voraus, es dauert eine halbe Stunde wir warten. Sie haben Funkgeräte mit, dürften aber bereits zu weit entfernt sein, wir hören nichts von ihnen. Inzwischen hören wir wie sich ein weiteres Team den Berg hinter uns heraufarbeitet. Es sind die Schweizer, Lords of Darkness. Kurzes Fachsimpeln, auch ihr erster Weg für heute, sie haben ihn auch auf der Karte ausgearbeitet, sind etwas später gestartet und wurden bestärkt durch unsere Reifenspuren, dass hier eine Überquerung dieses Berges möglich ist.
Die Navigatoren von Allrad kommen zurück. Eine Enttäuschung. Es gibt keinen Weg weiter. Am Berg beginnt ein Jungwald, die Bergflanke auf der anderen Seite runter ist dicht bewachsen. Keine Spur von einem alten Weg. Vielleicht ging er nur bis auf die Anhöhe, vielleicht wurde er nur schon lange nicht benutzt.
Es hilft nichts. Wir drehen um, den ganzen Weg wieder runter, das geht zwar schneller, alles in allem ist mehr als eine Stunde der Fahrzeit verbraucht. So werden noch zwei weitere Bergaufffahrten probiert. Jeder einzelne erweist sich als Sackgasse. Das ist echtes Pech. Seit dem Start sind fast 4 Stunden vergangen, wir fahren im Kreis.
Am Ende des dritten Weges laufen beide Teams der Romaniacs auf uns auf. Kurze Besprechung mit den Fahrern und Navigatoren dieser Teams. Es geht ihnen wie uns, kein Weg in Sicht der einen Durchstich ermöglicht. Das kann vieles bedeuten: a) wir haben das gleiche (vielleicht nicht so gute?) Kartenmaterial oder b) es gibt hier einfach keinen Weg und das heißt nichts anderes als das Gebiet zu umfahren, was wiederum bedeutet aus dem Korridor hinauszufahren und an einer anderen Stelle wieder rein. Das kostet aber Strafkilometer und bei dem dichten Feld versucht das jedes Team absolut zu vermeiden. Weitere Strafkilometer aufzusammeln bedeutet mit ziemlicher Sicherheit eine schlechtere Platzierung im Gesamtergebnis. Sich im Korridor aber weiter zu verbeißen nagt an der Zeit, irgendwan läuft diese aus.
Wir drehen um, vielleicht finden wir noch einen Weg, einen der nicht auf der Karte ist, weil er vielleicht zu neu ist. Die beiden Romaniacs-Teams folgen uns nicht. Sie wissen natürlich, wenn Allrad aus dem Korridor fährt, haben sie gewonnen, nicht die Wertung aber den 3. Platz von Allrad. Das wissen auch die Allrad. Und das beginnt Stress zu machen. Arbeiten die Romaniacs da oben jetzt weiter, so lange bis sie einen Weg finden? Fahren sie dann doch aus dem Korridor? Sollen wir doch noch weiter schauen? Sollen wir Ihnen nachfahren. Fragen über Fragen. Die Zeit läuft, der Tag ist zur Hälfte verbraucht.
Zwischendurch regnet es wieder, die Laune im Team belasten auch noch 4 kaputte Reifen. Irgendwie ist heute der Wurm drin. Schon auf der ersten Auffahrt ein Patschen durch einen Ast. Reifen wird gewechselt. Innerhalb der nächsten 4 Stunden sammeln sich 4 Patschen an, die aber bis auf einen der einen Schlauch hat, mit Flickwürsteln gestopft werden können und mit dem Handkompressor wieder aufgepumpt werden.
Gut, die Entscheidung ist gefallen. Allrad fährt raus aus dem Korridor. Das kostet sie nach dem Reglement rund 40 Strafkilometer plus. Das bedeutet, vorausgesetzt die Teams hinter Allrad bleiben im Korridor, das der Angriff auf Platz 2 auf die Korridor Express Manschaft zum Vergessen ist und sich – noch viel schlimmer – Allrad auf Platz 10 wiederfindet. Die Laune ist am Tiefpunkt. Team Allrad fährt noch zur Sonderprüfung die auf dem Weg liegt, ein Mühldorf. Die Aufgabe, eine Person zu finden, die den Schlüssel für eine Mühle hat, dort nach alter Methode zwischen Mahlsteinen eine kleine Menge Maiskörner zu Mehl zu mahlen. Team Allrad erledigen das auch mit Bravour.
Danach und jetzt werden Kilometer gemacht. Schöne Fahrwege, Berge rauf und runter. Das vorher dürfte wieder einmal eine der berühmten Schlüsselstellen zum Zähneausbeissen sein.
Es wird Abend, der Schlafplatz wird gesucht und auf einem schönen Hochplateau schlagen wir die Zelte auf. Ein kurzer heftiger Hagel- und Regenschauer überrascht uns noch, aber dann gibt es großes Lagerfeuer, Gulasch aus der Dose mit frischen Nudeln. Auch Martin Friedl kommt auf einen Plausch vorbei, Korridor Express haben ihre Zelte keine 150 Meter von uns entfernt aufgeschlagen.
Ein oder auch zwei kleine Verdauungsschnäpschen runden das Essen ab und am Feuer werden noch bis nach Mitternacht die Optionen diskutiert. Es ist schon dunkel, als noch der Navigator von One Spirit vorbeikommt, mit Stirnampe ausgerüstet und den Weg für morgen auslotet.
Am Freitagmorgen, starten wir gemeinsam mit dem Team Korridor Express in den Tag. Der Tag startet wieder mit strahlendem Sonnenschein, Hochnebel bedeckt das ganze Tal, es ist wunderschön zum Fahren.
Vielleicht war es gut gleich zu Beginn diese „Korridorverletzung begangen“ zu haben, dafür kommt Allrad im Korridor weiter und hat mehr Zeit für spätere Schlüsselstellen. Vielleicht wird aber der Korridor auch einfacher oder Allrad können das Pech abschütteln und sind einen Tag vor der Zeit im Ziel, das wäre dann ein neues Stück vom Pech… Am Samstag werden wir es wissen, zu Mittag kommen die Teams ins Ziel vom 2. Korridor.




























