Bericht von Wolfgang Bachleitner

Vorgeschichte

Dass es 2005 etwas mehr Starter als im Jahr zuvor geben würde, zeichnete sich schon bald ab. Einige der Skeptiker des Vorjahres wurden durch die Berichte, die Fotos und nicht zuletzt durch Herbert Kogler s Film davon überzeugt, dass „Fahren im schweren Gelände“ nicht zwingend „Materialvernichtung“ bedeutet – es geht ja auch anders, wie es die SuperKarpata 2004 gezeigt hatte, ohne dass es deshalb eine „Blumenpflücker-Fahrt“ war.

Jedenfalls war das Interesse hoch, und um die Bildung der Teams wurde eifrig gepokert und taktiert.

Wir hatten das schon hinter uns. Nachdem sich 2004 das Team Waldl / Hofstätter / Bachleitner / Ormsby mit Defender 130 und Patrol GR bestens bewährt hatte, gab es keinen Grund, daran etwas zu ändern – nur einen Teamnamen und ein Logo haben wir uns verpasst.

Freitag, 1. April – „Warm Up“

Von vielen mit großer Spannung erwartet, fand am 1. April eine Vorbesprechung statt. Gibt es Hinweise auf die Sonderprüfungen? Oder auf das Trophygebiet? Oder sonst irgendeine neue Information?

Wenn man nichts darüber weiß (oder ahnt) und auf möglichst vieles vorbereitet sein will, bedeutet das, die Autos mit Werkzeug und Material ordentlich zu beladen.

Für uns gab es jedenfalls keine neuen Erkenntnisse. Joe deutete zwar unter anderem an, dass eine Motorsäge mitunter recht hilfreich sein könnte, was für uns eine Selbstverständlichkeit ist, für einen Newcomer aber möglicherweise ein wertvoller Hinweis ist.

Mit diabolischem Grinsen im Gesicht genoss es Joe, seine Aussagen derart allgemein zu halten, dass wir genau gar nichts daraus ableiten konnten.

Die Wochen und Tage davor – Der Countdown läuft

Am Nissan ist diesmal nichts herumzuschrauben, was man von Michi’s LandRover nicht sagen kann. Nachdem er erst vor ein paar Monaten einen neuen Motor bekommen hatte, sind jetzt auch noch ein neues Verteilergetriebe, ein neues Vorderachsdifferential und neue Bremsen fällig. Außerdem hat er noch die Seilwinde komplett überarbeitet. Michi’s Sohn bezeichnet die Werkstatt schon als „dort wo Papa wohnt“. Ja, ja, Kindermund tut Wahrheit kund.

Ich kann mich derweil um die Landkarten und die T-Shirts und Pullover kümmern, die mit unserem Logo bedruckt werden. In diesem Zusammenhang hat sich die Firma AHa (www.textildruck.at) durch günstige Preise und kompetente Beratung besonders hervorgetan.

Ansonsten stellten sich nur die üblichen Fragen bei einem Team bestehend aus zwei Autos: „Wer nimmt was mit?“ und „Wie wird das Geraffel (Diesel, Stahlleitern, HiJack, 10/10er Staffeln, Stahlseile, uvm.) auf die beiden Autos verteilt?“

Dienstag, 3. Mai  –  Start in Wien

Angenehmerweise wurde der Start um 3 Stunden vorverlegt. Somit sollte die Anreise wesentlich entspannter ablaufen.

Nachdem alle Sponsorenaufkleber und die Startnummern am Auto angebracht sind, und jeder die Mappe mit der Beschreibung der Verbindungsetappe bekommen hatte kann es losgehen. Die Fahrt ist wie üblich lang und unspektakulär. Um etwa 23:00 Uhr schlagen wir wenige Kilometer vor dem Treffpunkt unser Lager auf, um dem Lärm der später Ankommenden zu entgehen, und noch ein letztes Mal richtig auszuschlafen.

Mittwoch, 4. Mai – Beginn der Sonderprüfungen

Kurz vor 9:00 Uhr sind wir am Treffpunkt an einem Stausee.

Nachdem sich endlich alle bei Joe eingefunden hatten, erklärt er wortreich die 24-Stunden-Sonderprüfung: Es soll ein Gefährt gebaut werden, das vier Räder und eine lenkbare Vorderachse hat, und auch noch schwimmfähig ist. Dieses Vehikel soll mit einer Besatzung von mindestens zwei Personen von einem Pferd ein Stück am See entlang gezogen werden, und dann mit eigener Schwimmkraft den See überqueren. Pro vollendete Runde soll es eine Zeitgutschrift von einer Stunde für den Fahrbewerb geben.

Aus den 6 Teams werden 3 Gruppen gebildet, die die unterschiedlichsten Lösungen ersinnen.

Mit dem in unserer Gruppe vorhandenen Material und Werkzeug (4 Motorsägen, Staffelhölzer, Gewindestangen, Eisenrohre, einige Bohrmaschinen, uvm.) bauen wir unser „Flintstone-Mobil“, das stabil genug sein sollte, bis zum nächsten Tag viele Runden abzuspulen.

Ein anderes Team mit weniger Material und/oder Improvisationsvermögen mietet sich bei Bauern der Umgebung ein Boot und ein Fahrgestell – na gut, das Reglement lässt das anscheinend zu.

Als wir mit unserem Gefährt ins „Rennen“ gehen, haben wir aufgrund der längeren Bauzeit zwar einen Rückstand von 4 Runden, den können wir aber kontinuierlich verkleinern. Trotzdem (oder gerade weil?) es jetzt stark zu regnen beginnt, und wir bereits Runde um Runde aufgeholt haben, sind wir hoch motiviert. „Wir sind leidensfähiger als alle anderen!“

Als um etwa 22:00 Uhr die Sonderprüfung abgebrochen wird, sind wir, um es vorsichtig auszudrücken mehr als nur enttäuscht. Gut, die Pferde waren erschöpft und hätten ein oder zwei Stunden Pause gebraucht, den Abbruch können wir aber nicht wirklich nachvollziehen, schon gar nicht die Begründung, dass es trotz Schwimmwesten gefährlich sei, in der Dunkelheit über den See zu fahren.

Wie auch immer, Schwamm drüber!

Donnerstag, 5. Mal – 1. Tag im Gelände

Der Regen in der Nacht hatte nicht nur den See ansteigen lassen, der Zufahrtsweg zur Wiese war für „Nichtgeländewagen“ unbezwingbar geworden. Da einige Fahrzeuge zu dieser Kategorie gehören (Zugfahrzeuge, Organisation, Zuschauerautos), müssen diese erst einmal zum befestigten Weg hinauf gezogen werden.

Um die Mittagszeit sind wir dann am anderen Ende des Sees, wo auch der Start ist. Die Veranstalter teilen die Landkarten aus, und los geht’s.

Die eigentlich klare Angabe, zwischen zwei bestimmten Hütten ins Gelände einzufahren missverstehen nicht nur wir, jedenfalls erkennen wir bald unseren Fehler und drehen um. Unmittelbar nach der ersten Hütte biegen wir ab und haben einen kleinen Fluss zu durchqueren.

Kurz danach treffen wir auf einige Waldarbeiter, die Baumstämme auf einen LKW verladen und die Straße blockieren. Entgegen aller bisherigen Erfahrungen, ist dieser Trupp nicht gerade freundlich und auch nicht bereit, uns vorbei zu lassen, was uns über eine Stunde Zeit kostet.

Nach einigen Kilometern beginnt der Schnee, also legen wir die Schneeketten an, was aber bald auch nicht mehr den nötigen Vortrieb bringt, der Schnee ist einfach zu tief.

Die nächsten Kilometer wechseln Fahren und Winchen pausenlos ab, wobei die Seilwinden viel öfters zum Einsatz kommen, als uns lieb ist.

Als es dunkel wird, haben wir genug. Da ein baldiges Ende dieses Weges nicht in Reichweite ist, und wir nicht bis zur letzten ebenen Stelle zurückfahren wollen, campieren wir wenig komfortabel in einer Steigung. Ein ebener Zeltplatz muss erst einmal in den Tiefschnee am Hang gegraben werden. Zum Feuermachen und Grillen ist es hier einfach nicht geeignet, außerdem regnet es schon wieder, somit verkriecht sich jeder nach einem schnellen Abendessen in seinen Schlafsack.

Freitag, 6. Mai – 2. Tag im Gelände

Bevor wir weiterfahren kundschaften wir zu Fuß den weiteren Verlauf des „Weges“ aus. Plötzlich hören wir Motoren-geräusch, das mit der Zeit zu einem infernalischen Lärm wird. Werner Breitler hat mit seinem Monster-G aufgeschlossen und pflügt, beflügelt durch viele, viele PS auf seiner mechanischen Winde bergauf durch den Tiefschnee. Dass dabei auch noch das zweite Auto wie ein nasser Fetzen mitgeschleift wird, scheint ihn nicht sonderlich einzubremsen.

Kurz darauf sind auch wir bereit weiterzufahren. Weit kommen wir vorerst jedoch nicht, da Michi’s Winde nach kurzer Abgabe von Funken und Rauchwolken den Geist aufgibt.

Während wir im „völlig unerwartet einsetzenden“ Regen die Winde reparieren, kommt das Team um Werner Breitler zurück: „Unmöglich, da oben kommt man nirgends weiter! Nur dichter Wald oder fast senkrechte Abbrüche!“

Wir lassen uns aber dadurch nicht beirren, und fahren nach ca. 4 Stunden Windenreparatur weiter. Nach einigen 100 Metern sind wir endlich am Bergrücken angekommen. Entgegen Werners Aussage finden wir doch einen „Weg“ und fahren etliche Kilometer entlang des Rückens.

Doch die nächste Schwierigkeit taucht schon bald in Form von bodenlosem Moor auf. Wenn jetzt die zweite Seilwinde auch in Rauch aufgeht, könnte es mühsam werden. Ein endloses Schneefeld zwingt uns wieder einmal zum Umkehren. Der einzig verbleibende Weg von diesem verdammten Bergrücken herunter ist ein unangenehmer Hohl-weg, der noch dazu in einen Bach mündet. Wir schlagen das Lager auf und heben uns das Befahren des Baches für den nächsten Tag auf, zumal es auch schon dunkel ist. Wie fast die ganze Zeit regnet es auch jetzt, und sogar der Grillkohle ist kalt – sie will einfach nicht glühen.

Bernhard, der seinen Schlafsack am Vortag wegen des Regens und der mangelhaften Dichtigkeit des Zelts völlig durchnässt hatte, schläft diesmal im LandRover bei eingeschalteter Standheizung.

Samstag, 7. Mai – 3. Tag im Gelände, Zielankunft und Siegerehrung

Um das einzige verbliebene trockene Paar Socken auch so zu erhalten, quäle ich mich zum wiederholten Male in die nassen Socken des Vortages. Es ist sowieso egal, sie wären wegen der unmittelbar bevorstehenden Strecke binnen Minuten wieder nass geworden.

Zwischendurch können wir das Bachbett zwar kurzfristig verlassen, aber auch nur, um im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein zu fahren.

Was nach dieser Passage folgt, kann mit den Herausforderungen der letzten Tage nicht mehr ganz mithalten: Unspektakuläre Waldwege, kaum noch quer liegende Bäume, Schotterstrassen, …. Wenigstens können wir so etliche Kilometer abspulen, die für die Wertung sehr wichtig sind. Da die Zeit nahezu abgelaufen ist, müssen wir abbrechen und auf Asphalt zum Ziel fahren. Dort wird es noch einmal richtig spannend, da jedes Team eine völlig unterschiedliche Route gefahren ist, und das Endergebnis somit kaum vorhersehbar ist.

Zuerst werden noch die Zimmer bezogen, der Dreck der letzten Tage weggeduscht und endlich wieder sauberes und vor allem trockenes Gewand angezogen. Danach haben die Veranstalter für Bier und ein reichliches Essen gesorgt.

Anschließend setzt sich der Tross in Richtung „Diesel Club“ in Bewegung, wo die Abschluss-veranstaltung stattfindet. Auch heuer wieder sind dort angenehmerweise alle Parkplätze für uns reserviert. Bei der Siegerehrung kommt es dann zu der für uns bitteren Enttäuschung: wir belegen nur den zweiten Platz. Bitter deshalb, weil wir doch ziemlich sicher mit dem Sieg gerechnet hatten.

Vor und im Bewerb waren alle davon überzeugt, das Reglement verstanden zu haben. Im Nachhinein hatte sich aber herausgestellt, dass nicht nur wir das eine oder andere Missverständnis hatten, und deshalb falsch taktiert hatten.

Im Gegensatz zu 2004 konnte heuer aufgrund der extrem schwierigen Bedingungen der Korridor von keinem der Teams komplett durchfahren werden. Somit wurden die Punkte des Reglements, die das vorzeitige bzw. zwischenzeitliche Verlassen des Korridors behandeln, erstmals in der Praxis angewendet.

So wie ich die Sache sehe, haben sowohl die Teilnehmer als auch die Veranstalter einiges an Wissen und Erfahrung dazu gewonnen, und somit freue ich mich auf die SuperKarpata 2006.