Bericht von Martin Friedl

Ein Bericht von Martin Friedl, mitgefahren im Team von Ulf Deecke, Rudi Plenert, Mike Kern

Das Konzept der SuperKarpata ist genial: Freies Fahren im Gelände, eigene Routenwahl, Expeditionsstil mit Nächtigung draußen.

Wir 4 waren heuer alle das erste Mal dabei: Ulf Deecke/Martin Friedl (Range Rover), Rudi Plenert/Mike Kern (Mercedes G). Kennen gelernt haben wir einander erst ein paar Wochen davor. Erstes Beschnuppern, Vorbesprechung in Purkersdorf, fahr’ma halt. Wenn schon, dann aber denn schon, Ehrgeiz ist bei mir immer an Bord, und Ulf steht mir darin nicht nach. Also Training in Kollnbrunn, zum Kennen lernen. Schnell wird klar: Hier starten 4 Looser, wir schaffen’s nicht mal unsere Autos gegenseitig einen Hang hinaufzubergen. Na das kann ja was werden…

Was soll’s, Rumänien ist immer schön, also ab zum Start, auf nach Rumänien. Nacht am See, Sternenhimmel, schön, feucht. 1.Tag, Sonderprüfung. Kutsche bauen, die auch schwimmen soll, See überqueren: Oh Gott, warum tu ich mir das an? Je 2 Teams gemeinsam, gut so, da fällt es nicht auf, dass ich nur blöd herumstehe, will nicht
stören bei soviel Motivation.- Kutsche ganz hübsch, schwimmt auch, ist ja alles doch ganz witzig. Es kommt Regen, Wind, saukalt. Ich glaube ich muß verrecken auf der depperten Kutsche, so kalt ist mir. Mehr als 2 Runden hält keiner aus, eine Runde dauert bei uns 45 Minuten. Alle anderen sind schneller als wir, wurscht, wir gwinnen eh nie, solln sich abfrieren, die Streber!

Gnade des Schicksals: die Tortur wird nach viel Diskussion abgebrochen, jedenfalls für die Nacht. Ich hätte auch so drauf geschissen, lieber Strafzeit als kein Schlaf, da bin ich ein Weichei (wo nicht?). Das Team „Wie-quäle-ich-mich-richtig“ (Deckname Waldl/Hofstetter) protestiert, wollen unbedingt die Nacht durchmachen und Regen-Runden im Kreis fahren auf einem Schotterweg, auf Holzradeln, stockdunkel.

Dazu sind sie da, sagen sie:
Ich leide, also bin ich.
Sehe das anders: ich penne, also bin ich – morgen ausgeschlafen.

Endlich Start. Wir bekommen eine farbkopierte Karte in die Hand gedrückt, die blaue Linie ist der Korridor, 3 Tage Zeit, täglich 8 Stunden zu fahren. Klingt ja ganz gemütlich. Voll motiviert legen wir los, nach 100m biegen wir aber ab wo man nicht hätte abbiegen dürfen, wütend schnaubend holt uns Joe mit dem Motorrad zurück . Toller Einstieg, wir sind zu blöd den Start zu bewältigen, Team-intern nennen wir das: DIE sind zu blöd den Start exakt zu definieren.

1.Tag in Kurzfassung: 48 Holzwege (buchstäblich), einer führt auf den Gipfel, wir sind etwa 5km vom Start entfernt und haben die ersten 9 Stunden aufgebraucht. Motivation auf Null, zumal wir am Abend gerade noch feststellen können, dass wir von diesem Berg auf der anderen Seite nicht runter kommen, wegen zu viel Schnee. Wenigstens sind die Beiriedschnitten die wir unter der Regenplane futtern schwer in Ordnung.

2.Tag in Kurzfassung: Erkundung des Geländes nach einer Abfahrtsmöglichkeit. Ein Weg scheint fahrbar oder besser winchbar, ich schätze 2 Stunden. 12 Stunden später weiß ich, das war die ärgste Tortur meines Lebens, wir haben für exakt 500m Hohlweg, mit Altschnee zugepappt und von einem Schmelzwasserbach unterspült 12 Stunden gebraucht. 12 Stunden absoluter Superkampf, alles Laufschritt, wir vollkommen durchnässt, im Eiswasser stehend, 10 Minuten essen im Gehen, sonst würden wir erfrieren. Es reißen Stahlseile, brechen Schäkel, Gurte zerfetzt es. Fast alles wird 3fach umgelenkt, Windenpunkt immer 3-5 m hoch auf Bäumen. Bäume stürzen, Sägen verrecken, es ist der Albtraum meines Lebens, und ich hab in Sachen Albtraum doch etwas Erfahrung. Nach 1 Stunde ist klar: Das ist kein Spiel mehr, der Bewerb ist vorbei, es geht nur noch darum die Auto hier überhaupt wieder irgendwie herauszubekommen. Da wir erst um 12 gestartet sind, findet der Hälfte der Aktion in der Nacht statt, egal, es hat eh auch zu Regnen begonnen.

Hier wachsen wir zusammen zu einem echten Dream-Team. Keiner mault, jeder kapiert den Ernst der Lage, jeder ist für den anderen da, jeder weiß was er zu tun hat.

Um Mitternacht sind wir wie durch ein Wunder draußen, herausgespült aus diesem Nightmare aus Schnee und Wasser. Was jetzt passiert verstehe ich bis heute nicht: Wir ziehen uns um, werfen ein paar Kalorien ein und gasen los um dem Ziel näher zu kommen und dieses am nächsten Tag rechtzeitig erreichen zu können. Wird sind über den Berg, buchstäblich, und wir wissen, das haben nicht viele Teams geschafft, vielleicht gar kein anderes. Wir wittern einen Platz ganz vorne. OK, ich will ehrlich sein: Wir wissen, jetzt geht es um den Sieg! Taktisch verlassen wir nun um 1h nachts den Korridor für 20 km, die uns als schwer fahrbar erscheinen, stechen wieder rein in den Korridor und machen noch ein paar Kilometer auf Waldwegen. Die Zelte werden um 2h Nachts im Umfallen vor Erschöpfung aufgebaut, Tagwache für 6h beschlossen.

3.Tag in Kurzfassung: Wir sind bereits 23 Stunden gefahren im ganzen Bewerb, eine Stunde dann ist die Sollzeit (24h) um. Egal: Die Strafzeit für zuspätkommen zählt weniger, als die Kilometer die wir jetzt noch im Korridor machen können. Und die sind wichtig, denn alle Kilometer außerhalb des Korridors kosten irre viel Strafzeit. So gut es geht bleiben wir auf guten Forststraßen im Korridor, fliegen dem Ziel zu. Einmal noch taktisch raus, gleich wieder rein, ein Bergrücken, runter, um 11.00 Uhr sind wir als erstes Team im Ziel, etwa 26 Stunden waren wir unterwegs.

Bis 16.00 Uhr sind auch alle anderen Teams im Ziel. Wesentlich für Sieg oder nicht erscheint uns nur das Team Waldl/Hofstetter. Als mir deren Navigator „Onkel“ sagt , wo sie den Korridor verlassen haben um direkt heim ins Ziel zu fahren, rechne ich auf der Karte kurz nach. „Paßt“ sage ich ganz leise zu Ulf mit einem Augenzwinkern. „Paßt“ errechnet auch die Rennleitung: Wir sind von allen Teams mit Abstand die meisten Kilometer IM Korridor gefahren, wofür wir bei der Siegerehrung unsere Pokale als allerletztes aufgehändigt bekommen.