Mit teamsaurer 2 im Korridor

Nachdem teamsaurer 2 die Korridor-Karte und den USB-Stick mit dem digitalen Kartenmaterial erhalten haben, geht es ans Planen des ersten Tages im neuen Korridor. Klaus der Navigator studiert besonnen mit seiner Mannschaft die Karte und hat schnell einen und für den Fall der Fälle mehrere Wege die für die Pinzis fahrbar sein sollten und los geht’s.
In den Korridor 2 starten die Teams in umgekehrter Reihenfolge, also teamsaurer 2 als Letzte. Gleich nach der Fahrt durch den Red-Bull-Bogen geht es Richtung Startlinie zum Korridor. Aber vorher noch schnell einen Tankstop einlegen. Die Kanister sollen gut gefüllt sein, wenn sich die durstigen Pinzgauer nicht in Benzinabstinenz üben sollen. 45 Liter auf 100 Kilometer verschluckt das sechsrädrige Gerät schnell und gerne.
Erst beim Überfahren der Startlinie des Korridors beginnt die Uhr zu ticken und die Bewegungen werden gezeitet. Also noch schnell den notwendigen Proviant für den schnellen Energieabruf bei der Tankstelle: Schokolade, Schokolade und wieder Schokolade.

Die Stimmung ist sehr gut, das Wetter auch. Gemütlich geht es zum Korridor-Einstieg. Eine lange staubige Straße führt in die Berge. Die Reporter fahren hinten nach und beobachten die Fahrt auf der Online-Karte. Auf einmal halten wir. Es geht rechts rein und einen Weg hinauf. Der Einstieg ist kaum zu sehen und verwachsen, ein kleiner Weg. Es ist relativ eng, aber wir kommen gut voran. Der Weg öffnet sich ein wenig in der Breite, wir kommen immer weiter rauf. Das Ziel: Der Kammweg. Meist gibt es auf den Bergen einen Weg der oben auf dem Kamm entlang fährt. Kann sein, muss es aber nicht.
Teams, die vor uns gestartet sind, stehen links oder rechts mit dem einem oder anderen Defekt. Es wird stehengeblieben und gefragt, ob man helfen kann. Ein Luftschlauch und Kabelbinder wechseln den Besitzer gegen ein Dankeschön und Gute Fahrt.
Drei Kurven später steht Team Greenhorn. Der Iveco hat den X3 am Seil. Die kurze nächste Durchfahrt ist sumpfig. Die Pinzis schnurren den Weg hinauf als wäre es eine trockene Bergstraße. Wir kommen mit dem Polaris dahinter ins Schwitzen. Ein kurzer tiefer Wiesenabschnitt, die Pinzis graben sich eine einen halben Meter tiefe Furcht durch, der Polaris sitzt auf der Bodenplatte wie ein Maikäfer und die Räder drehen sich in der Luft. Hin und her, hin und her, 20 Meter zurück, die Stelle umfahren. Die Pinzis sind vorne weg, wir dürfen sie nicht verlieren, sonst können wir uns gleich in die Wiese legen.
Der Weg zieht sich eine Weile eben aber verschlängelt dahin, hier ist schon länger niemand gefahren. Immer wieder muß die Motorsäge raus um gefallene Bäume, die quer liegend den Weg versperren zu schneiden und wegzuräumen.
Es geht ein Stück steil bergauf. Auf einmal stoppen die Pinzis. Unter dichtem Geäst versteckt sich ein Baumstumpf. Autsch, genau auf die Spurstange. Sie sieht aus wie in U-Hakerl. teamsaurer 2 fährt weiter, aber es geht nicht lange, zusehr ist die Lenkung angeschlagen. Also Stehenbleiben und Reparieren. Die Spurstange ist verkürzt und stark nach oben zur Bodenplatte gedrückt.

Die Reparatur: teamsaurer 2 fahrt mit der Vorderachse auf ein Sandblech. In das Sandblech hängen sie eine Umlenkrolle und den Haken an die Spurstange und das Seil durch die Rolle an den vorderen Pinzi. Gefühlvoll und langsam zieht der zweite Pinzi mit seiner Winde gebogene Stange nach unten und sie ist nach der 15 Minuten dauernden Aktion wieder gerade. Weiter geht’s eine Weile den Kamm entlang.
Das Hinterherfahren für uns im Polaris ist bequem, wir müssen nicht Navigieren. Wir „raten mit“, welchen Weg Klaus, der Navigator, wohl als Nächstes einschlagen wird. Unglaublich, mit welcher Präzision er noch so versteckte und verwachsene Wegkreuzungen sieht und die Richtung wechselt. Kein Zögern, kein Warten. Wir sehen auf unserer Karte da überhaupt keinen Weg, hätten die Stelle auch ohne weitere Beachtung passiert. Da ist überhaupt keinen Weg und schon sind wir drin. Es ist eng, links und rechts streifen die Äste der Fichten und Tannen am Polaris vorbei.
Für gut zwei Stunden geht es so dahin. Dann runter. Ein sehr steiler Weg. Erst als die beiden Pinzgauer einbiegen, erkennen wir hier Spuren eines früheren Weges. Oberschenkeldicke Bäume liegen als Bruchholz kreuz und quer, die Pinzis radeln mit ihren drei Achsen drüber als wäre es eine Sandkiste. Wir im Polaris haben leichte Mühe, nicht zappelnd in der Luft zu bleiben. Aber Vuko (mein Fahrer im Polaris) hat die Sache fest im Griff.
Es beginnt wieder zu regnen. Wir biegen links runter. Ein sehr steiler Weg soll uns runter von dem einen und rauf auf den nächsten Berg führen. Es ist rutschig, Wurzeln und Steine gemischt. Langsam schaukeln die Pinzis rund ein Kilometer den Weg hinunter. Doch auf einmal Stau.

Vor uns stehen die weißen Puch G’s von Korridor-Express. Der Weg (eine V-Form) ist viel zu schmal um irgendwie hier vorbeizukommen, also bleiben wir stehen. Wir steigen aus, gehen nach vorne und sehen den Grund des Haltens. Ein mehrere Tonnen schwerer, rund 5 Meter langer und eineinhalb Meter dicker Baumstumpf mit Wurzelstock liegt genau quer über den Weg. Mit Seilwinden, Umlenkrollen und Baumgurten wird das Hindernis gemeinsam im Weg auf die Seite gezogen. Mittlerweile sind die Teams Dirt Devils, Adrenalin und Mastalier auch auf uns aufgelaufen und haben sich hinten angestellt. Jeder hilft mit wo er kann.

Der Baum liegt genau an einem abschüssigen nach links hängenden Linksknick im Weg. Er kann nicht zerschnitten werden, dafür ist der Stamm zu dick oder die Motorsägen zu klein. Er kann auch nicht aus dem Weg geräumt werden, weil es links steil einen Hang hinauf geht. Nach rechts ist es etwas flacher aber es geht auch bergauf, undenkbar das viele Tonnen schwere Hindernis bergauf zu bewegen. Also bleibt der Baum parallel zum Weg am linken Rand liegen. Ohne Seiten-Seilsicherung kommen die Autos nicht vorbei. Die Aktion hat eine gute dreiviertel Stunde gedauert. Für den Korridor Express etwas länger, „wir arbeiten hier schon über eine halbe Stunde“ sagt uns Martin Friedl, Hauptnavigator im Team von Korridor Express und seit neun Jahren bei der Trophy dabei, während er emsig den Erdwall der rechten Wegkante mit dem Spaten abbaut.

Danach geht es im Entengang den Weg hinunter der sich kurz drauf wieder in ein Bachbett verwandelt. Die Landschaft rund herum ist wie in ein Märchenwald. Die Sonne kommt kaum durch die Blätter der 30-Meter-Bäume. Der abwechselnde Regen bleibt ebenso noch im Blätterdach hängen. Langsam arbeitet sich der Tross an Fahrzeugen – teamsaurer 2 hinter Korridor Express – den Bach runter. Langsam und vorsichtig rutschen die Räder Stein über Stein und schaukeln wie eine Karawane das Bachbett runter.
Den Bachabstieg hinter uns folgt eine lange ebene Straße im Tal. Vor dem teamsaurer 2 muss irgendwo der Korridor Express sein, wir sehen sie nicht. Sie sind vermutlich schon weg, hinter uns sind die Dirt Devils. Bei der schnellen Fahrt werden gut 15 Kilometer im Korridor abgespult.
Neuer Weg, altes Spiel: Wir haben wieder einen neuen Weg. Es ist schon 19 Uhr. Bis 20 Uhr dürfen die Fahrzeuge maximal bewegt werden. (Ab 20 Uhr ist Stop im Reglement angesagt, da sollte längst ein Schlafplatz gefunden und bezogen oder zumindest die Fahrzeuge abgestellt sein.)
teamsaurer 2 hat noch die Herausforderung einen schönen Lagerplatz für diese Nacht zu finden. Das macht Klaus auch sehr gut. Nach gut einer dreiviertel Stunde Fahrt haben wir ein beeindruckendes Panorama vor uns und eine schöne Almwiese zum Schlafen. Um 19:45 Uhr werden die Autos abgestellt. Später sehen wir, dass es gar nicht so leicht ist zwischen den frischen Kuhfladen ein Zelt aufzustellen und dass die halbe Alm rundum eine Sumpflandschaft ist stört uns auch nicht weiter. Da werden wir noch durch müssen. Die Aussicht in die umliegenden Karpaten-Gebirgszüge ist gewaltig, die Temperatur bereits jetzt recht knackig.
Von den vier Personen im Team schwärmt Klaus aus in die Berge und scouted den Weg für den nächsten Tag. Ich sehe rundherum nur dichten Waldansatz den Berg hinter uns rauf. Die beiden anderen, Gregor und Hannes, kümmeren sich um den Zeltaufbau und das Lagerfeuer. Roman, der Vierte im Team, schneidet Zwiebel und wirft zwölf Eier in die Pfanne. Nach 2 Stunden ist Klaus vom Scouten wieder da und optimistisch, dass wir gleich morgen früh einen schönen Weg finden werden. Nur der Einstieg, die ersten 100 Meter sind „zach“, aber dann „eine Autobahn…“ meint er.
Der Abend am Lagerfeuer ist kurz, es gibt eine gute Jause mit Speck, Brot und Käse, das Ganze garniert mit dem 12-Eier-Omelett, dann treibt uns der einbrechende Regen, zunehmender Wind und der Verlust an Plus-Graden in die Zelte.
Tag 2
Nach einer Nacht, die ich im Zelt vom Lebensmittel-Discounter eigentlich ganz gut verbracht habe, spüre ich doch die nassen Socken in den Timberlands. Das Schuhwerk ist irgendwie nicht so ganz dicht. Ich fürchte das wird eine Verkühlung werden. Aber mir geht’s besser als meinem Fahrer, dem Vuko: Er hat sich für ein Schweizer Zelt (eigentlich eine Hängematte mit Dach) entschieden, die zwar für Geruchsbefreiung sorgt aber bei den 0 Grad hier oben (auf 1400 Meter) samt dem Wind bekommt der Wärmepolster keine Chance zum Wachsen. Vuko hustet schon in der Früh. Während ich noch neben meinen Schuhen stehe ist er seit halb sechs auf und steht wie angefroren neben seinem Zelt.
teamsaurer 2 baut seine beiden Zelte ab und bereitet sich für den Tag vor. Es ist saukalt, wir haben die Nacht auf rund 1400 Meter verbracht. Der Gipfel vor uns ist auf 1600 Meter. Die Pinzis husten startend in den Morgen. Martin Friedl vom Korridor Express steht auf einmal mit dem Kaffeehäferl neben uns. Sie haben die Nacht nur unweit von teamsaurer 2 weiter unten auf einer Wiese verbracht. Der Nebel hängt noch tief in den Bäumen. Los geht’s: Die ersten 100 Meter durch den sumpfigen Teil der Wiese sind zäh. Die Pinzis benötigen ihre 50 Meter Windenseile und Umlenkrollen um aus dem tiefen Boden zu kommen. Dann geht es in den Wald, ein trockener Weg. Niemand folgt uns, wir sind auf dem Weg allein. Es geht aufwärts. Immer wieder Schrägfahrten und durch einen schmalen Weg. Nach einer Stunde stehen wir am Ende. Der Weg ist aus. Ein Stichweg. Kein Weiterkommen – nur mehr zurück? Da sind auch schon Korridor Express, Dirt Devils und Spirit of Expediton auch hinter uns.

Die Fahrer bleiben bei den Fahrzeugen, der Rest der Teams schwirrt aus und scouted in alle Richtungen. Es gibt theoretische Möglichkeiten aber keinen Weg, die 100 Höhenmeter die noch zum Kamm fehlen sind auf diesem Weg nicht zu überwinden. Diese Ecke des Korridors ist auch eine Schlüsselstelle. Zwei Korridorinseln (deren Durchfahren wie das Verlassen des Korridors gewertet wird) lassen nicht viele Möglichkeiten, deswegen staut sich auch hier der Tross.

Während die Scouts ringsherum nach Wegen suchen, fachsimpeln Michi Waldl, Bernard Hofstätter, Martin Friedl, Wolfgang Bachleitner und Ole von den Dirt Devils… Es ist lustig.
Kalt ist nur dem Vuko und mir, die Autos haben funktionierende Heizungen, wir im Polaris sind „oben ohne“. Die Spirits bieten mir Kaffee und Schokolade an, Michi Waldl zaubert auf der Ladefläche seines Defenders einen frisch gebrühten Kaffee für mich, mit dem Schokoriegel dazu kommt Energie zurück. Vuko sitzt im Defender von den Spirits und hat sich einen Heizungsgebläseschlauch zwischen Thermo-Unterwäsche und Haut geschoben. Sein Frohgemut schlägt wieder durch. Er freut sich, noch mehr als sonst.
Langsam wird die Unruhe merklich. Alle verlieren Zeit. Der Weg ganz zurück ist keine Option. Quasi im Retourgang müssten alle den Berg runterfahren, es ist kein Platz fürs Wenden. Klaus findet einen Weg, wieder steil bergab 50 Meter vor der Stelle wo wir stehen. Wir brechen auf und fahren rechts den Hang vom Weg hintunter. Die Spirits stechen links runter, sie haben einen anderen Weg. Später erfahren wir, dass der Nissan Patrol nur am Seil hängend die Abfahrt bewältigen kann.

Auch dieser Weg mündet für teamsaurer 2 in eine Bachbett-Abfahrt. Sie ist lang und langsam arbeiten sich die Fahrzeuge nach unten. Aber das Tempo bestimmen teamsaurer 2, hinter ihnen haben sich die Dirt Devils angehängt und plumpsen Stein für Stein den Bach hinunter.
Der Polaris RZR ist sensationell. Dort wo auch die Pinzis winchen fahren wir Kreise und Vuko treibt seine „Bergziege“ im Slalom um die Bäume und die winchenden Teams. Es ist erstaunlich wie das RZR mir der geringen Bodenfreiheit überall drüberkommt.
Es ist Mittag, das Bachbett liegt hinter uns. Wir sind wieder im Tal. Wir verabschieden uns vom teamsaurer 2 und verlassen den Korridor.
Was mir noch aufgefallen ist:
bei teamsaurer 2 herrscht den ganzen Tag Ruhe, Routine und konzentrierte Anspannung, keine Schuldzuweisungen, immer wieder wird gescherzt, kein lautes Wort, es sei denn die Distanz zum Hören macht es notwendig.
Was noch passierte:
Romaniacs schrauben am Toyota im Vorbeifahren gerade das Differential zusammen, aus dem sie den Stummel einer gestorbenen Steckachse gezogen haben. Adrenalin hat einen Motorschaden (keine Kompression und wenig Vortrieb) und schleppt sich mit angeschlagenem Auto ins Ziel. Martin Mertz ist aber nicht frustriert: „Wir fahren ins Ziel, so oder so. Dafür sind wir ja hergekommen.“
Bericht aktualisiert: 1. Juni 2013, 11:23 Uhr




































